Katholische Kirche Leiselheim
Bis etwa 1830 stand hier die alte Laurentiuskirche, die wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Durch die Kirchen­teilung von 1705 war sie der katholischen Kirchengemeinde zugesprochen worden. Ungefähr hundert Jahre stand der katholischen Kirchengemeinde keine eigene Kirche zur Verfügung. Erst 1933 er­richtete die katholische Gemeinde einen Neubau.
Um die Kirche befand sich seit alter Zeit der Gemeindefriedhof.



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Geschichte zum Gebäude
von Richard Roschy

Die St.-Laurentiuskirche
Schön wäre es, wenn wir das Datum der Einweihung der Leiselheimer Laurentiuskirche wüssten. Dann wäre Leiselheim bestimmt sehr viel älter, als es die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 1141 ausweist.
 
Der heilige Laurentius, Schutzpatron sehr vieler Kirchen, Städte und Dörfer, wurde 257 aufgefordert, den Schatz der Kirche in Rom dem Staat auszuliefern. Daraufhin teilte er die Gelder an die Bedürftigen seiner Gemeinde aus und führte die Armen und Kranken vor die Behörden mit der Erklärung, diese seien der Schatz der Kirche. Über diese Aktion erbost, ließen seine Richter ihn foltern und auf einem glühenden Rost hinrichten, der seither das Attribut des Heiligen ist. Auch das Leiselheimer Ortswappen erinnert an diese Episode, den „Laurentiusrost“. Namenstag des römischen Diakons ist der 10. August.
 
Ein Repräsentationsbau aber war die erste Laurentiuskirche nicht. 1587 beschreibt das Baubuch des kurpfälzischen Amtes Alzey ihren bereits trostlosen Zustand: „Die Kirch ist gar klein und baufällig.“ Das Domstift in Worms aber ließ sich von dem Oberamt nicht zu einer Investition in die alte Kirche bewegen. Für die wenigen Katholiken des Dorfes mag sie ja für die Größe der Gemeinde ausgereicht haben, aber für die evangelische Bevölkerung nicht, die sie notgedrungen mit benutzen musste, bis im Jahr 1705 eine endgültige, längst überfällige, Regelung getroffen werden musste: Die Laurentiuskirche wurde der katholischen Minderheit zugesprochen, deren Pfarrer im Dorf wohnte. Die Evangelischen waren jetzt gezwungen, ihr eigenes Gotteshaus zu errichten. Bis dieses 1716 fertig war, fand der reformierte Gottesdienst im Rathaussaal statt.
 
Die Katholiken aber konnten über ihre Kirche nicht glücklich sein, denn das Bauwerk stürzte bereits nach etwa hundert Jahren Anfang des 19. Jahrhunderts ein und musste nun endgültig abgetragen werden. Nun brauchte auch die katholische Gemeinde ein provisorisches Gemeindezentrum bis genug Geld zusammengebracht war für einen neuen Kirchenbau etwa an der Stelle der Vorgängerkirche. Sie fand diese Unterkunft seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts im Schulsaal des oberen Stockwerks der „neuen“ Schule in der Adam-Riese-Straße. Am 1. Mai 1933 war der erste Spatenstich; die Einweihung der neuen, größeren und schmucken Kirche fand am 14. Oktober 1934 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Prominente Besucher sah die zweite Laurentiuskirche ebenfalls: Zum 50jährigen Jubiläum im Jahr 1984 erschien Kardinal Volk von Mainz und zur Altarweihe 2003 kam sein Nachfolger Kardinal Karl Lehmann.

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