Evangelische Kirche Leiselheim
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Der Augsburger
Religionsfrieden von 1555 hatte auch für Leiselheim zur Folge, dass die
Einwohner den vom jeweiligen Fürsten vorgeschriebenen Glauben annehmen mussten.
Aber jeder Herrscherwechsel (durch Heirat, Verkauf, Kriegsfolge) bedeutete
einen Religionswechsel für die Einwohner von Leiselheim. Erst als Pfalzgraf
Karl Ludwig (1649-1680) abweichende Glaubensrichtungen zuließ, kehrte Ruhe
ein: Leiselheim war nun eine gemischte Gemeinde, in der die Protestanten die
Mehrheit bildeten. Erbaut im Jahr 1716 von den Reformierten am damaligen
Ortsende.
Siehe Info auf der Bronzetafel am Eingang der Kirche. Sie wurde 1998
unter Denkmalschutz gestellt.
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Geschichte zum Haus
von Richard Roschy Die evangelische Kirche von Leiselheim Im 17. Jahrhundert zogen
zwei verheerende Kriege über unser Land hinweg, der 30jährige (1618 – 1648) und
der pfälzische Erbfolgekrieg (1688 – 1697). Beide Kriege hinterließen ein
menschenleeres Dorf und verfallene Häuser. Aber nach dem Krieg kehrten die
Menschen wieder nach Leiselheim zurück und machten sich an den Wiederaufbau.
Und ausgerechnet in diese Aufbauphase platzte die „Religionsdeklaration“ des
neuen, streng katholischen Landesherrn, Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg,
wonach das Kirchenvermögen und vor allem die von beiden Konfessionen genutzten
Kirchen aufgeteilt werden mussten.
Da die Leiselheimer
Laurentius-Kirche nun der katholischen Minderheit zugesprochen wurde, mussten
die Reformierten wohl oder übel an einen Kirchen-Neubau denken. Bis diese neue
Kirche im Jahr 1716 fertig gestellt war (ganz untypisch am damaligen Ortsrand
im Osten), fand der Gottesdienst der Reformierten im Rathaussaal statt. Da die
Obrigkeit keinen Zuschuss zu dem Neubau gab, mussten die gerade mal 200
Gemeindemitglieder, etwa 70 Prozent der Leiselheimer Einwohner, die Baukosten
aufbringen.
Die evangelische Kirche in
Leiselheim ist eine typische reformierte Kirche: eine einfache Saalkirche mit
verputzten Wänden. Eine flache, hölzerne Kassettendecke schließt den Raum nach
oben hin ab. Dieser sachliche Baustil kam auch der Finanzlage der Gläubigen
entgegen, die sich erst sechzig Jahr später eine Orgel leisten konnten, gebaut
von Meister Stumm und verziert durch einen sehenswerten Prospekt im
Rokoko-Stil. Ungewöhnlich ist auch ein Fenster in der Südwand, das 1924
eingebaut wurde und bis heute an die im Ersten Weltkrieg gefallenen
Leiselheimer Männer erinnert.
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