"Trappesgässje"
Da bis Mitte des 19. Jahrhun­derts keine Brücke über den Mühlbach führte, - es gab nur Furten oder Ochsenklaviere - nahmen die Bewohner der „Unter­gasse“, hauptsächlich aber die Schul­kinder der Grundschule, auf dem Weg in die „Obergasse“ das „Trappes­gässje“ als Abkürzung zur „alten Schule“. Auch heute noch nutzen Bürger diesen Weg, um die stark befahrene Winzerstraße zu umgehen.




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Geschichte zum Haus
von Richard Roschy

Das „Trappesgässje“

Heutzutage wissen die Leiselheimer gar nicht, dass das Dorf bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zweigeteilt war. Aber die „alten“ und „älteren“ Leiselheimer können sich noch gut daran erinnern, dass es früher eine Obergasse („Owwergass“) und eine Untergasse („Unnergass“) gegeben hat, obwohl nie eine ausgewiesene Grenzlinie bestand; es sei denn, man wollte den damals offen durch den Ort fließenden Mühlbach als solche bezeichnen. Demnach gehörten die nördlich gelegenen Straßen zur „Owwergass“ (die heutige Pfeddersheimer, die Winzerstraße und die Dr.-Illert-Straße, sowie die Ehrenburger-Straße und Milchstraße) und alle anderen „tiefer“ liegenden Straßen zur „Unnergass“ (Laurentiusstraße, Tränkstraße, Bachstraße und Friedrichstraße. Hätte es das „Trappesgässje“, wie es im Volksmund genannt wurde, nicht gegeben, hätten die Leiselheimer und vor allem die Schulkinder der „Unnergass“ einen großen Umweg machen müssen, um die Lebensmittelgeschäfte der „Obergasse“ und die „alte Schule“ zu erreichen.
 
Das „Trappesgässje“ zwischen der Tränkstraße und der damaligen Backhausstraße (heute Milchstraße) kürzte diesen Weg erheblich ab. Eine echte (befahrbare) Straße war dieses „Gässje“ nicht, nur Fußgänger und höchstens ein Fahrrad konnten diese enge Passage nutzen. Es hatte noch nicht mal einen offiziellen Namen, obwohl es die wichtige Verbindung zwischen den beiden unbewusst empfundenen Ortsteilen darstellte.
 
Seit die Schulkinder nicht mehr in den Leiselheimer Dorfschulen unterrichtet werden, „die“ Bach nicht mehr durch das Dorf fließt und die Erwachsenen mit dem Auto in die Supermärkte fahren, ist es still um das schmale Gässchen geworden, das noch an das alte Dorf erinnert, als es noch zwischen eng nebeneinander gebauten Häusern einen, oftmals begehbaren, „Reil“ gab. Zu dieser Kategorie gehört wohl auch das „Trappesgässje“, eben ein besonders breiter „Reil“, dessen besonderes Kennzeichen in früherer Zeit einige Treppenstufen bildeten, daher wohl der Name „Trappesgässje“ (So wie auch der heutige Straßennamen „Zum Trappenberg“ sich nur auf „Treppen“ beziehen kann.). Insofern hat die schmale Passage einen H
auch von Nostalgie bewahrt und erinnert als ein liebenswertes Relikt an längst vergangene Zeiten.