Unterfauth-Haus

Der oberste „Ver­walter“ von Leisel­heim war in der kurpfälzischen Zeit (bis 1798) der Unterfauth. Er war dem Hochheimer Ober­fauth unterstellt. Landes­herren waren die Pfalzgra­fen bei Rhein, die zur Wittels­bacher (bayrischen) Dynastie gehörten, daher das „bay­rische“ Wappen. Hinter dem Haus stand die Zehnt­scheuer, in der die Naturalabgaben der Dorfbewohner eingesammelt wurden. Der Unterfauth wohn­te in diesem Haus. - Von der Zehntscheuer sind noch Mauerreste erhalten. Heute ist hier ein privates Wohnhaus.




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Geschichte zum Haus
von Richard Roschy
 
Das Haus des Unterfauths von Leiselheim

Der derzeitige Besitzer des Hauses in der jetzigen Dr.-Illert-Straße 7 in Leiselheim, hat das Haus mustergültig und fachkundig restauriert. Es ist ein wahres Schmuckstück des Dorfes. Erbaut wurde es von einem Unterfauth namens Hüttner oder Hüffner. Der Unterfauth war in Leiselheim der höchste kurfürstliche Verwaltungsbeamte. Sein unmittelbarer Vorgesetzter war der Oberfauth mit Amts- und Wohnsitz in Hochheim. Der Oberfauth hatte seinen Amts- und Wohnsitz in Hochheim. Ihm war der Unterfauth von Leiselheim unterstellt, den man auch "Bürgermeister" nannte. Er hatte jedoch eher die Aufgaben eines Laufburchen zu erfüllen, denn bevor die Franzosen eine neue Epoche brachten (vor 1792), verlangte die kurpfälzische Regierung mehr als einmal im Jahr Auskünfte über alles Mögliche: Listen über die Einwohner, den Viehbestand, die kriegsdienstpflichtigen jungen Männer melden und dgl. mehr. Besonders unangenehm war ebenfalls die von der Regierung angeforderten Untertanen für die ungeliebten Frondienste zu benennen. Das Bürgermeisteramt verlangte also einen Mann, der gut zu Fuß und des Lesens und Schreibens kundig war. Der Schlussstein über dem Eingangsportal weist einen Christoph oder Christian Johannes Hüttner/Hüffner als Erbauer im Jahr 1752 aus. Was dieses Haus neben den Initialen C.I.H. noch auszeichnet und einmalig macht, ist das kurpfälzische Wappen links oben neben dem Eingang: Es zeigt die wittelsbachisch-bayrischen weiß-blauen Rauten sowie den welfischen Löwen (Heinrich der Löwe war ein Sohn des Pfalzgrafen und mit einer englischen Königstochter verheiratet). Der Bauherr des Jahres 1752 muss demnach auf seine Amtsautorität stolz gewesen sein. - Aber die herausragende Stellung des Unterfauths war nicht immer nur ein Vergnügen, denn er musste die ordnungsgemäße Zahlung der Steuern überwachen sowie die vollständige Ablieferung des „Zehnten“ in seiner „Zehntscheuer“ kontrollieren. Diese stand im heutigen Garten hinter diesem Haus; einige verfallene Mauern dieser Scheune sind vom Neuweg aus noch zu erkennen.

Ab der Franzosenzeit (1798) gibt es keinen Fauth mehr. Die Franzosen haben den Bürgermeister zum französischen "Maire" gemacht. Die großherzoglich-hessische Regierung in Darmstadt hat diese Neuregelung der Verwaltung beibehalten.

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