Spies-Mühle, Egelhof

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stand hier die Mühle „Mitten im Dorf “, eine Mehl- und Ölmühle, sowie Hanf-Reibe. Unter der Mühle floss der Mühlbach. Sein idyllischer Verlauf durch das Dorf erhielt den Beinamen„Klein-Venedig“. Leider wurde der Mühlbach in den 1960er Jahren zugeschüttet und unterirdisch durch den Ort geführt. Die Mühle wurde dabei abgerissen.
Heute ist an dieser Stelle ein Wohnhaus. Links sieht man den alten Saalbau.



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Geschichte zum Haus
von Richard Roschy

Die Mühle mitten im Dorf – Hirth-, Spies-, Egelhof-Mühle
1725 wurde Velten Holtzscherer als Betreiber erwähnt, er wird damit wohl der erste Müller dieser damals noch sehr kleinen Mühle gewesen sein. Es ist anzunehmen, dass das Ehepaar Hirth, Mennoniten aus dem Württembergischen, kurz nach 1770 diese Mühle gekauft hat. Ein Hinweis auf die Besitzverhältnisse sind die Initialen „GHL“, d. h. Georg Hirth Leiselheim, die sich über dem Haupteingang im Hof der Mühle befanden. Die Hirth’sche Mühle in der ehemaligen Mühlstraße Nr. 70 war eine kleine Mehl- und Ölmühle und Hanfreibe. Daneben wurde von den Besitzern Handel und Ackerbau betrieben. Die Mühle war ursprünglich klein und einstöckig gewesen. Mit einem Steuerkapital von 454 Gulden war Johann Hirth einer der höchstbesteuerten Bürger von Leiselheim. Durch weibliche Erbfolge wechselte 1854 der Name. 1866 stellt der Müller Michael Spies beim Großherzoglichen Kreisamt den Antrag zur Anlage einer Dampfmaschine. In den folgenden Jahren wurden das Wohnhaus und die Mühle aufgestockt. Die geräumigen Stallungen hatten Kreuzgewölbe. Neben der Durchführung des Mühlenbetriebs hatte Michael Spies noch hundert Morgen Feld bebaut. Außer zwei Mägden und drei Knechten waren ständig noch eine Bügelfrau, ein Viehfütterer und ein Maschinenführer beschäftigt. Das in der Mühle gemahlene Mehl wurde in der engeren und weiteren Umgebung zum Verkauf gebracht. 100 Säcke Mehl lieferte der Mühleninhaber wöchentlich mit dem Pferdefuhrwerk nach Lampertheim. 1876 ernannte man den erfolgreichen Mühlen- und Gutsbesitzer zum Bürgermeister von Leiselheim. In der Getreide- und Kunstmühle brannte es insgesamt drei Mal. 1899 zerstörte sie ein Feuer vollkommen. Danach wurde sie genauso wiederaufgebaut. Eine der Spies-Töchter heiratete den Landwirt Jakob Egelhof, der dann die Mühle übernahm. Im Jahre 1924 wurde der Schornstein der Mühle umgelegt und im vorderen Teil des Wohnhauses eine Gastwirtschaft eingerichtet. Den heute noch erhaltenen „Saalbau“ baute der Mühlenbesitzer Jakob Egelhof 1928 als Tanzsaal. 1948/49 hat der Müller Egelhof noch gemahlen, dann bis in die Mitte der 1950er Jahre für die Bauern nur noch geschrotet (Viehfutter). Schon 1936 schrieb der letzte Müller Egelhof in Leiselheim: „Es hat sich erwiesen, dass wir den Großmühlen doch nicht gewachsen sind.“
Innerhalb Leiselheims gibt es den Mühlbach heute nicht mehr. 1960 wurde das Gelände an die Stadt Worms verkauft und die Mühle abgerissen, ein Kinderspielplatz eingerichtet, sowie zwei Wohnblöcke gebaut und ein Parkplatz angelegt. Die Mühlstraße wurde in den 1970er Jahren in „Dr.-Illert-Straße umbenannt. Nur der „Saalbau“ erinnert noch an die Zeit der Gastwirtschaft Egelhof.
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